Das PE-Klischee
Private Equity hat im deutschen Mittelstand keinen guten Ruf. „Heuschrecken" war das Unwort, das eine ganze Branche stigmatisierte. Die Geschichten von Zerschlagungen, Entlassungswellen und kurzfristiger Gewinnmaximierung haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.
Doch die Realität ist differenzierter. PE ist nicht gleich PE, und nicht jede Beteiligung endet in der Katastrophe. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
Was PE-Investoren tatsächlich tun
Private-Equity-Fonds sammeln Geld von institutionellen Anlegern (Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices) und investieren es in Unternehmen. Ihr Geschäftsmodell: Unternehmen kaufen, wertsteigern, verkaufen. Der Zeithorizont liegt typischerweise bei 3-7 Jahren.
Die Wertsteigerung kann auf verschiedene Arten erfolgen: operativer Verbesserungen, Wachstum (organisch oder durch Zukäufe), Professionalisierung des Managements, Optimierung der Kapitalstruktur. Nicht alle diese Maßnahmen sind schlecht für das Unternehmen.
Wann PE funktioniert
Professionalisierung: Manche Unternehmen haben ungenutztes Potenzial, das ein erfahrener PE-Investor heben kann. Besseres Controlling, effizientere Prozesse, strategische Klarheit – das kann Wert schaffen.
Wachstumskapital: Für Expansion, Internationalisierung oder Zukäufe fehlt oft das Kapital. PE kann hier Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben.
Nachfolgelösung: Wenn kein Familienmitglied übernehmen kann und ein strategischer Käufer nicht gewünscht ist, kann PE eine Alternative sein.
Wann PE problematisch wird
Übermäßige Verschuldung: Das sogenannte „Leveraged Buyout"-Modell lädt dem Unternehmen Schulden auf, um die Eigenkapitalrendite zu hebeln. Das funktioniert in guten Zeiten – in Krisen wird es gefährlich.
Kurzfristorientierung: Wenn der Exit-Druck zu groß wird, leiden langfristige Investitionen. Forschung, Mitarbeiterentwicklung, Kundenbeziehungen – alles, was sich nicht sofort in Zahlen niederschlägt.
Kulturelle Inkompatibilität: Der Mittelstand tickt anders als die PE-Welt. Werte wie Langfristigkeit, Mitarbeiterloyalität, regionale Verbundenheit haben keinen Platz im Excel-Sheet.
Die Alternative
Zwischen dem klassischen PE-Modell und dem Familienunternehmen gibt es einen dritten Weg: den unternehmerischen Investor. Jemand, der langfristig denkt, aber professionell agiert. Der Kapital mitbringt, aber auch operative Expertise. Der das Unternehmen als Projekt versteht, nicht als Exit-Vehikel.
Fazit
Private Equity ist weder gut noch schlecht – es ist ein Werkzeug mit spezifischen Eigenschaften. Für manche Situationen passt es, für andere nicht. Die Entscheidung sollte auf einer ehrlichen Analyse basieren: Was braucht das Unternehmen? Was will der Unternehmer? Und passt der potenzielle Partner dazu?