Der KI-Hype und die Realität
Kaum ein Thema beherrscht die Wirtschaftspresse so sehr wie künstliche Intelligenz. ChatGPT, Copilot, Gemini – die Namen wechseln, aber das Versprechen bleibt: KI wird alles verändern. Doch was bedeutet das konkret für den deutschen Mittelstand?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was wirtschaftlich sinnvoll ist, liegt oft eine große Lücke. Nicht jedes KI-Projekt rechnet sich, nicht jede Automatisierung macht Sinn.
Wo KI heute schon Wert schafft
Dokumentenverarbeitung: Rechnungen, Lieferscheine, Verträge – die automatische Erfassung und Kategorisierung von Dokumenten ist heute ausgereift und amortisiert sich schnell.
Kundenkommunikation: Chatbots für Standardanfragen, automatische E-Mail-Kategorisierung, Sentiment-Analyse im Kundenservice – hier kann KI Mitarbeiter entlasten, ohne sie zu ersetzen.
Qualitätskontrolle: Bilderkennung in der Produktion ist mittlerweile robust genug für den industriellen Einsatz. Fehler werden erkannt, bevor sie teuer werden.
Prognosen: Nachfrageprognosen, Wartungsvorhersagen, Ressourcenplanung – überall dort, wo historische Daten vorliegen, kann KI Muster erkennen, die Menschen übersehen.
Wo Vorsicht geboten ist
Kreative Aufgaben: KI kann Texte schreiben und Bilder generieren, aber echte Kreativität – das Verstehen von Kontext, Marke, Zielgruppe – bleibt menschlich.
Komplexe Entscheidungen: KI kann Daten analysieren, aber die Interpretation und die Entscheidung selbst sollten beim Menschen bleiben. Besonders bei strategischen Fragen.
Kundenbeziehungen: Im B2B-Geschäft sind Beziehungen entscheidend. Ein KI-generierter Newsletter ist kein Ersatz für ein persönliches Gespräch.
Der pragmatische Ansatz
Statt großer KI-Strategien empfehlen wir einen pragmatischen Ansatz: Klein anfangen, schnell lernen, schrittweise skalieren. Ein Pilotprojekt in einem klar abgegrenzten Bereich ist wertvoller als ein ambitionierter Masterplan.
Wichtig ist auch die Datenbasis. KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie trainiert wird. Viele Mittelständler unterschätzen den Aufwand, ihre Daten in einen Zustand zu bringen, der KI-Anwendungen ermöglicht.
Fazit
KI ist weder Allheilmittel noch Hype – sie ist ein Werkzeug. Wie jedes Werkzeug muss sie zum Problem passen. Der Mittelstand, der pragmatisch herangeht und KI dort einsetzt, wo sie echten Mehrwert schafft, wird profitieren. Wer jedem Trend hinterherläuft, verbrennt Geld.